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© Diözese Eisenstadt/Markus Heuduschits

Gemeinsame Erklärung Diözesanbischof Dr. Alois Schwarz und Präsident Gerhard Wlodkowski, LK Österreich

Kirche und Landwirtschaft  erfüllen viele gemeinsame  Aufgaben.  Landwirte  sind wichtige  Stützen einer lebendigen Kirchengemeinschaft  als Hüter der religiösen Kultur und Träger kirchlicher Feste. Im Sinne der kirchlichen Glaubenslehre sind sie einer der wichtigsten Garanten für die Bewahrung der Schöpfung, indem sie in ihrem Lebensraum verantwortungsbewusst  mit der Natur wirtschaften. Sie sind somit Nahversorger  für Leib und Seele und sichern die hohe Wertigkeit  des ländlichen Raumes und der Heimat für die gesamte Bevölkerung.

Ländlicher Raum
Der ländliche Raum hat in Österreich überdurchschnittlich  große Bedeutung. Rund 78 Prozent der österreichischen Bevölkerung lebt in Regionen, die man im weitesten Sinne als ländlich bezeichnen kann. Menschen in ländlichen Räumen sehen sich vielfältigen Herausforderungen, wie z.B. geringe- rem Durchschnittseinkommen, geringeren Beschäftigungsquoten, Infrastrukturmängeln, ungünstiger Demographie,  fehlenden  Jobchancen  bzw. fehlender Attraktivität  für Frauen und Jugend im Ver- gleich zu Ballungszentren gegenüber, die einer speziellen Antwort bedürfen.

Kirche und Landwirtschaft sprechen sich mit Nachdruck für eine Beibehaltung des österreichischen Programms für Ländliche Entwicklung aus, das europaweit eine Vorreiterrolle einnimmt und gezeigt hat, dass es möglich ist, mit effizientem Mitteleinsatz florierende, betrieblich kleinstrukturierte ländli- che Räume zu erhalten. Die erfolgreiche Weiterführung des Programms für Ländliche Entwicklung nützt durch die positiven Beiträge für Versorgungssicherheit, lokale Märkte, Qualität, Tourismus, Bioenergie und vieles mehr der gesamten Gesellschaft. Ein Hauptaugenmerk des Programms sollte – im Einklang mit den Zielen der Strategie EU 2020 – auf Bildung/Ausbildung und Innovation, Wett- bewerbsfähigkeit von Betrieben etc. liegen.

Natürliche Ressourcen sichern und Lebensmittel wertschätzen
Mit Besorgnis nehmen Kirche und Landwirtschaft  die zunehmende  Flächenversiegelung  und den damit einhergehenden Verlust von fruchtbaren Böden zur Kenntnis. Die Reduktion des Bodenver- brauchs stellt ein gemeinsames Ziel dar. Es geht darum, die Inanspruchnahme von landwirtschaftli- chen Flächen für Industrie-, Wohn-, Verkehrs- und Freizeitzwecke durch eine restriktivere Handha- bung der Raumordnungsgesetzgebung  direkt zu reduzieren.

Lebensmittel-Verschwendung stoppen
Die Landwirtschaft und die nachgelagerte Verarbeitung erzeugen eine nie zuvor dagewesene Viel- falt an Lebensmitteln. Kirche und Landwirtschaft sind jedoch über das hohe Ausmaß der Lebensmit-
telverschwendung  besorgt.  Allein  in  Österreich  werden  jährlich  Lebensmittel  im  Wert  von  300,- €/Person vernichtet. Alle Partner in der Wertschöpfungskette – Landwirtschaft, Verarbeiter, Handel und Konsumenten – sind gefordert, die Wertigkeit und den sorgsamen Umgang mit Lebensmitteln in der Öffentlichkeit zu thematisieren und Strategien und Maßnahmen gegen die Lebensmittelver- schwendung zu finden.

Nachhaltige Landwirtschaft, faire Preise
Die Intensivierung der Landwirtschaft, die den Erfordernissen des Weltmarkts geschuldet war,  hat in den letzten Jahrzehnten zu einem Rückgang der Biodiversität geführt. Kleinräumige Kulturland- schaften wurden zusehends in großflächige Bewirtschaftungseinheiten umgewandelt, um zu den geforderten Preisen produzieren zu können. Die Intensität der Nutzung nahm zu. Zusehends wer- den freilich auch neue Wege der Bewirtschaftung gesucht, die die Ziele der Erhaltung der Kultur- landschaft mit denen der Produktion ausreichender und gesunder Lebensmittel zu verbinden trach- ten.

Eine Vielzahl von Arten und Lebensräumen sind in der österreichischen Kulturlandschaft von der menschlichen Nutzung abhängig. Kirche und Landwirtschaft sprechen sich daher für die Erhaltung und Förderung einer aktiven und generationsübergreifend verantwortungsbewussten Land- und Forstwirtschaft aus, mit der Österreich international eine Vorbildfunktion einnehmen kann.

Die Förderung einer naturschonenden Bewirtschaftung sollte Priorität haben vor einer Strategie, die einerseits grenzenlose Intensivierung forciert und andererseits quasi als Ausgleich große Flächen in Europa gänzlich außer Nutzung nehmen will. Die Ziele des Arten- und Lebensraumschutzes  mit denen der Erwirtschaftung eines ausreichenden Einkommens für bäuerliche Familien zur Deckung zu bringen, kann freilich nur gelingen, wenn Lebensmittel einen fairen Preis haben.

Von daher unterstützen wir alles, was die Qualität unserer Lebensmittel fördert, und zu einem ak- zeptablen Einkommen für Bauernfamilien führt.


Klagenfurt, Wien, am 11. Juni 2013